Viele Menschen bewegen sich am liebsten in der freien Natur und während einer Pandemie ist es oft der einzige Raum wo es noch möglich ist. Eine abwechslungsreiche Landschaft und die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt machen diesen Raum besonders lebens- und für den Menschen auch „erholenswert“. Diese natürliche Vielfalt zu schützen, bedeutet auch, die Schönheit der Natur zu bewahren. Arbeiten wir gemeinsam daran, die Beweggründe der jeweils anderen Interessen im Wald zu beachten und so Zielkonflikte zu verringern. Dies ist eine besondere Arbeit einer außergewöhnlich breiten Konsensfindung, die mehr Aufmerksamkeit verdient denn das Betretungsrecht ist ein hohes Gut.

Natursportlern wird nach wie vor oft ein schlechter Ruf angehängt. Die zerstören den Boden! Denen ist die Natur egal! Die brettern doch nur durch die Natur! Die erschrecken Wildtiere! Die fahren/ reiten immer querfeldein! Doch: stimmt das alles überhaupt? "Wegeschäden durch Pferde" oder "Reitverbote aus Naturschutzgründen" hören wir seit Jahrzehnten und haben diese Vorurteile wie Wegeschäden und Störung des Wildes sachlich immer widerlegt.

Hilke Patzwall, vertritt die VFD im Kuratorium Sport&Natur, hat sich die Mühe gemacht, einen solchen Artikel zu kommentieren. Sie hat uns ihre Argumentation zur Verfügung gestellt, denn oft genug werden Freizeitreiter aus denselben Gründen diffamiert. 

Leserbrief "Immer Ärger mit den Mountainbikern"

Liebe Schwäbische,
ich habe Mitgefühl für die schwierige wirtschaftliche Situation vieler Waldbesitzer nach Dürre, Sturm und Schneebruch der letzten Jahre. Die Behauptung, die Natur würde unter der Freizeitnutzung leiden, ist vor dem Hintergrund der durch jahrelang fehlgeleitete Forstwirtschaft hausgemachten Probleme des Waldes allerdings gewagt. Mal davon abgesehen, dass dafür jegliche belastbare Datenbasis fehlt, was die Herren Schweizer und von Stemm auch freimütig zugeben: Subjektives Bauchgefühl sollte aber auch als solches bezeichnet werden, vor allem, wenn daraus Forderungen nach Einschränkungen für andere Naturnutzer abgeleitet werden.IMG 20180517 WA0011

Der Witz des Tages ist aber die Aussage, der Waldboden werde durch Mountainbike-Reifen stark verdichtet, Brutstätten aufgegeben und Frösche, Kröten und Käfer überfahren. Haben sie schon mal einen Wald gesehen, in dem ein Harvester unterwegs war? Oder einen Wiesenweg bei Regenwetter, auf dem ein Traktor mit vollem Güllefass gefahren ist? Solche Flurschäden bringen selbst tausende von Mountainbikern nicht zustande (übrigens auch Wanderschuhe oder Pferdehufe nicht). Siehe Foto zur Veranschaulichung im Anhang.

„Overtourism“ ist ein Problem touristischer Hotspots (auch vor Corona schon gewesen) und wird durch die Zunehmende „Lenkung“ von Nutzern durch Routenvorschläge per App in diese Gegenden noch verstärkt. Insbesondere wenig erfahrene Natursportler verlassen sich gern auf die Apps. Deren meist kommerzielle Anbieter sollten viel stärker in die Pflicht genommen werden, naturschutz- und nutzungsrechtliche sowie Sicherheits-Aspekte (Absturzgefahr u.ä.) in ihren Routenvorschläge zu gewährleisten.

Für die Natur sind erholungssuchende Menschen normalerweise unproblematisch, solange man zu Fuß, Rad oder Pferd und nicht mit Verbrennungsmotor unterwegs ist – zumal sich der mit Abstand meiste Freizeitverkehr auf Wegen und bei Tageslicht abspielt.

Wildtiere werden durch Freizeitsportler genauso viel oder wenig verschreckt wie durch Jäger, die in der Regel in der Dämmerung, oft mit Hund und dank Schweinepestbekämpfung inzwischen auch mit Nachtsichtgeräten unterwegs sind.

Wer würde im Ernst behaupten, die Belastung für das Wild sei durch Spaziergänger oder Mountainbiker größer als durch Forstarbeiten, die meistens im Winter stattfinden, wenn das Wild mit seinem auf Energiesparbetrieb heruntergefahrenen Stoffwechsel besonders empfindlich für Störungen bzw. den Verlust seines Lebensraumes durch Abholzung ist.

In besonders sensiblen Natur-Gebieten ist eine Einschränkung der Freizeit-Nutzung manchmal angebracht, begründet und zeitlich befristet. So sehen es Wald- und Naturschutzgesetze vor, und so haben sich im Dialog vor Ort gefundene Lösungen über Jahrzehnte bewährt.

Weder von den touristischen noch von den sensiblen Biodiversitäts-Hotspots darf ausgegangen werden, um die Freizeitnutzung in Feld, Wald und Flur insgesamt zu problematisieren. Eine hauptsächlich auf wirtschaftlichen Ertrag durch Holzeinschlag und Jagd ausgerichtete Nutzung des Waldes greift zu kurz – nicht nur aus Sicht des Klimaschutzes. Rücksicht macht die Wege breit – für alle Nutzer und Interessengruppen.

Freuen wir uns doch, dass viele Menschen, vor allem auch junge Leute, die Natur vor der Haustür wiederentdecken!

PS – Der Rothirsch auf dem Foto kann einem wirklich leid tun, aber nicht wegen der Mountainbiker, sondern weil Rotwild in Baden-Württemberg gerade mal noch in vier Gebieten leben darf; überall sonst wird es radikal geschossen, um die Forstwirtschaft vor Ertragsverlusten durch Verbiss zu bewahren... 😉

Herzliche Grüße –

Hilke Patzwall / Vogt

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Hilke Anna Patzwall

Mitglied im Beirat "Umwelt und Sport" des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Beauftragte der VFD im Kuratorium Sport&Natur

Mitglied des AK Umwelt und Mitautorin von unserem Positionspapier Pferd & Umwelt

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