Pferde zogen mich schon immer magisch an, noch in der Kinderkarre sitzend musste meine Mama mich ständig an einer Ponyweide vorbei fahren, im Zoo, in der Zirkuspause, in den Ferien, im Urlaub, ich musste immer aufs Pferd. Natürlich wünschte ich mir, wie alle pferdeverrückten Mädels, ein eigenes Pony. Ich hätte auch keinen Sattel gebraucht, es sollte barhuf laufen, damit niemand den teuren Hufschmied bezahlen musste und bei uns im Garten wohnen......
Tja, da war nur ein einziges Problem, meine Eltern hatten nicht so viel Geld, um mir meinen Traum zu erfüllen.......

Ich wuchs mitten in Hannover auf, da gabs auch keinen Bauern um die Ecke, wo man mal hätte fragen können, ob man sein Pony putzen oder reiten könnte. Das einzige Highlight waren die Sommerferien, da gabs den Ferienpass. Ich sammelte von allen Kindern, die nicht reiten wollten die Wertmarken für das Reiten aus ihren Pässen und meine Ma fuhr mich regelmäßig quer durch die Stadt zum Ponyhof!
Eines Tages stand dort ein Schild:

                               Samstags Reitstunden! - Das wars!

Meine Mutter knapste von ihrem wenigen Haushaltsgeld jede Woche 8 DM ab und ich durfte endlich reiten lernen! Mein Traum ging in Erfüllung!

Natürlich folgten bald die ersten Ausritte, dann ein Wochenendritt, mehrstündige Touren durch den hannoverschen Stadtwald, verschiedene Reitlehrer....
Nach meiner Lehre suchte ich nach einer Reitbeteiligung. Ich ritt einige Jahre eine Vollblutstute, nahm an den ersten Rallyes teil, machte die ersten selbst geplanten Wochenendritte und hörte das erste Mal vom Distanzreiten und begann die Stute dafür zu trainieren. Leider konnte und wollte ich den Utopiepreis für dieses Pferd nicht ausgeben, deshalb begann ich über ein anderes Pferd nachzudenken.....

Woody, Jahrgang 1989, kam damals als Hengst zu mir, gekauft von der Rennbahn in Langenhagen, klein, anderthalb Jahre alt, unerzogen, stark hustend und mit einer schlimmen Fehlstellung im Huf. Mit letzterem sollte er einen Monat später Hochleistungssport gehen, mit noch nicht einmal zwei Jahren! Ich denke, er hätte sein erstes Rennen nicht gesund überlebt und wäre zum Abdecker gegangen..…


Wir brauchten eine ganze Weile um uns zusammenzuraufen und seinen Husten in den Griff zu bekommen. Die Tierärzte waren ratlos.....ich beschäftigte mich mit Alternativmedizin und hatte mit dem Einsatz von Homöopathie und Kräutern die ersten Erfolge! Schließlich verbrachten wir einen ganzen Sommer in Cuxhaven an der Nordsee! Er wurde von mir zuerst in der englischen Reitweise ausgebildet, später sattelte ich dann auf die alt klassische Reitweise um.

Unsere Weiterbildung beeinflussten u.a. Ausbilder wie Linda Tellington-Jones, Klaus Ferdinand Hempfling, Philippe Karl, Richard Hinrichs, Claus Penquitt, Alfons J. Dietz, Horst Becker, Sally Swift und Klaus Schöneich.

Es folgten einige Stallwechsel, in einem war er dem Verhungern nah, im nächsten platzte er fast.....dadurch lernten wir aber auch viele verschiedene Reitgebiete um Hannover kennen. Mit ihm ritt ich meine ersten Distanzritte( bis 62 Km ).

Woody war schon immer ein Montagspferd. Im Alter von 7 Jahren begann er immer wieder zu lahmen. Nach einigen Fehldiagnosen, dann eine Hornsäulen-OP mit 10-wöchigem Klinikaufenthalt, Spezialbeschlag, Boxenknast. Aussage des Tierarztes: Wollen Sie den wirklich wieder mit nach Hause nehmen, der ist eh nie mehr reitbar! Ich nahm ihn mit! Im darauffolgenden Jahr immer wieder Rückschläge durch Vereitern des Hufes, Deformierung, usw.

Als die Tierärzte nicht mehr weiter wussten, Woody tagelang auf drei Beinen über die Wiese humpelte und ich diesen Zustand nicht mehr mit ansehen konnte, fällte ich die schwerste Entscheidung meines Lebens: Ich wollte ihn erlösen....Nun musste ganz schnell ein anderes Pferd her. Mein Freund und ich kauften uns die Andalusier- Stute Carmelita, die dann unerwarteter Weise zwei Monate später das Stutfohlen Chica Bambina Espanola zur Welt brachte. Mittlerweile hatte sich Woody allerdings erholt und wir.....hatten drei Pferde.....!

Als mein Mann und ich 2001 nach Neustadt zogen, nahmen wir Woody und Chica Bambina mit. Sie wohnen seitdem direkt am Haus in Offenstallhaltung. Bambina (Jahrgang 1998) wurde zuerst vom Boden aus gearbeitet, Seitengänge, spanischen Schritt, Kompliment und Trailhindernisse wie Wippe, Flattervorhang und über Plane laufen kannte sie schon, bevor ich sie dann in der alt klassischen Reitweise ausbildete. Mit der Zeit trainierten wir dann auf Kondition und sie ging Distanzritte, Orientierungsritte und Rallyes.

Der seit 18 Jahren nicht mehr reitbare Woody wurde - entgegen der Aussage der Tierärzte - noch bis zu seinem 27. Lebensjahr mehrmals wöchentlich geritten. Er hatte trotz seiner zahlreichen Arthrosen und, wie ich mittlerweile weiß, einem Beckenbruch/-anbruch als Fohlen viel Spaß am Leben. Im September 2018 musste ich ihn erlösen.

Anders als Andere
Nachdem Woody ein Mitleidskauf war, habe ich mich, als er so krank war und alle ihn schon aufgegeben hatten, für sein Leben entschieden. Da sich damals der Hufschmied weigerte ihn weiter zu betreuen, Woody aber einen Hufschutz brauchte, kamen wir zu Hufschuhen.

Auch heute sind wir damit eher die Ausnahme. Bambina ging mit Schuhen Distanzritte bis zu 65 Kilometern. Und da Distanzreiter es ja bekanntlich bunt mögen, sind unsere Trensen aus pflegeleichtem Biothane. Mittlerweile haben wir Kopfstücke und Vorderzeuge in den Farben orange, silber, blau, türkis, neon- und dunkelgrün.

Nach einem Sattel zum Einreiten, kam ein Maßsattel, der immer rutschte, ein französischer Randoneesattel, der leider durch Muskelaufbau in der Kammer zu eng wurde, dann ein Sattel mit flexiblem Baum, der mich aber dermaßen schwungvoll über dem Pferd transportierte, dass ich beim zu schweren Stocksattel landete. Als Endlösung haben wir nun seit vielen Jahren baumlose Sättel und sind total happy! Unsere Steigbügel sind, wie sollte es anders sein, natürlich gefedert und somit gelenkschonend.

Mir ist es wichtig, dass meine Pferde vielseitig ausgebildet sind. Deshalb machen wir neben gymnastizierender Dressur- und Longenarbeit auch Konditionstraining, Bodenarbeit, Geschicklichkeitsübungen, Ausritte und Arbeit am langen Zügel. Wenn möglich arbeite ich meine Pferde mit gebisslosen Zäumungen. Seit über zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich mit alternativen Heilmethoden und wende diese mit Erfolg an. Und zu guter Letzt: unsere Pferde leben ganzjährig draußen, sie können in den Unterstand, wenn sie wollen, aber es kommt auch vor, dass sie im Schnee schlafen und ihnen gehts gut dabei!


2011 bin ich das erste mal beim VFD Geländereitercup Vorausscheid gestartet und habe mich für den Endausscheid qualifiziert. Dabei durfte man aber nur als VFD Mitglied teilnehmen.

So kam es dann, dass ich VFD Mitglied wurde. Es folgten einige VFD geführte Ritte. Irgendwie angefixt gründeten wir dann 2013 den VFD Bezirksverband Neustadt am Rübenberge. Da wir einen Rittführer brauchten, machte ich erst die Ausbildung zum Geländereiter und im Folgejahr dann die zum Geländerittführer.

Da ich schon seit 30 Jahren auf Wanderritten unterwegs bin, lag es nahe, das bronzene, silberne und goldene Wanderreitabzeichen der VFD zu machen.

Wie geht’s weiter, wenn man nun alle Abzeichen hat….ja, der große Traum von der Alpenüberquerung spukte durch meinen Kopf….aber nicht mit meinem Pferd...sie war damals viel zu hibbelig. Alternativ musste dann 2017 das Mountainbike ran. Ich fuhr von Tegernsee über die Alpen und durch die Dolomiten...allein...370km, bis Bozen.

Im letzten Jahr folgte dann ein Dolomitenritt über 180 km mit Leihpferd.

Mal sehen, was wir in diesem Jahr so anstellen…:-))thumbnail 20150410 125535 0035

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