Trotz aller Warnhinweise von amtlicher und privater Seite sowie der gehäuften Behandlung des Themas in Fachzeitschriften für Pferde und Landwirtschaft, waren in den letzten Wochen zunehmend wieder vorwiegend Pferde (aber auch Schafe) zu sehen, welche auf Weiden standen auf denen Jakobskreuzkraut in erheblichem Umfang vertreten war. Aus diesem Grund soll hier noch einmal auf die Problematik eingegangen werden.     Senecio jacobaea (botanische Bezeichnung) tritt zunehmend auf extensiv bewirtschaftetem Grünland und in Weiden auf. Es bevorzugt trockene bis wechselfeuchte Standorte und lückige Bestände. Ideale Keimbedingungen bieten Verletzungen der Grasnarbe durch Trittschäden und die fehlende Konkurrenz von Gräsern aufgrund von Überbeweidung und vernachlässigter Nachmahd. Es besiedelt auch Ödland, Straßen- und Wegränder und breitet sich von dort oft auch in intakte Futterflächen aus, wo es zur Gefahr für die Tiergesundheit werden kann. Am empfindlichsten auf die schädigenden Pyrrolizidin-Alkaloide reagieren Pferde, gefolgt von Rindern, Schafen und Ziegen. Die eigentliche Giftwirkung geht von deren Abbauprodukten im Verdauungstrakt und in der Leber aus. Die Behandlung einer akuten Vergiftung ist meist aussichtslos. Eine chronischen Vergiftung durch die Aufnahme von kleineren Mengen über längere Zeiträume ist besonders tückisch, da die Giftstoffe sich im Körper anreichern und vorrangig zu Leberschäden führen. Besonders gefährdet sind Jungtiere und Pferde, die auf überbeweideten Flächen stehen. Ältere Tiere erkennen Pflanzen im fortgeschrittenen Vegetationsstadium meist und meiden diese, sofern genügend anderes Futter auf der Fläche zu finden ist. Erhöhte Gefahr geht jedoch von jungen Pflanzen im Rosettenstadium aus, da diese schon hohe Alkaloidkonzentrationen aufweisen, ihre Bitterstoffe aber erst nach 8-10 Wochen bilden und wenn Pflanzen in Heu oder Silage gelangen. Denn Kreuzkräuter verlieren ihre Giftwirkung in den Konservierungsprodukten nicht. Wird der Wachstumsrhytmus nicht unterbrochen, bildet Jakobskreuzkraut als zweijährige Art, im ersten Jahr nur eine Blattrosette, überwintert in diesem Stadium und bildet erst in zweiten Jahr die Blüte aus. So lassen sich auch jetzt im Juli beide Wachstumsstadien nebeneinander finden und es ist wichtig auch die Rosetten zu erkennen, um sie beseitigen zu können. Die höchsten Konzentrationen der Alkaloide finden sich in den Blüten. Eine einzige Pflanze kann über 100.000 Einzelblüten und damit Samen hervorbringen. Diese sind gut flugfähig und können bis zu 25 Jahre lang keimfähig bleiben. Deshalb bitte spätestens jetzt Pflanzen, welche Futterflächen gefährden können, mit der Hand oder einem Unkrautzieher herauszuziehen (wetterfeste Handschuhe). Bei größeren Besatz sind die Flächen unbedingt vor der Samenreife abzumähen. Bei der Mahd im voll aufgeblühten Stadium können bis zu 75% der Samen nachreifen und sind fruchtbar. Chemische Maßnahmen sind fast nur auf landwirtschaftlichen Flächen und durch sachkundige Personen zulässig. Hier sollte einer Einzelpflanzenbehandlung vor dem Spritzen ganzer Flächen der Vorzug gegeben werden (Wartezeit ca. 7-28 Tage je nach Herbizid). In allen Fällen sind die Pflanzen von der Fläche zu entfernen und müssen in den Restmüll oder am besten durch Verbrennen beseitigt werden (nicht auf den Kompost oder Mist). Besonders chemisch behandelte Pflanzen behalten ihre potentielle Giftigkeit, werden aber von den Tieren aufgrund der veränderten Eigenschaften oft gefressen. Der Einsatz von Simplex® auf Pferdeweiden ist zu hinterfragen und es sind ggf. unbedingt die Hinweise vor und während der Anwendung zu beachten. Auch lassen sich durch chemische Behandlungen nicht die Ursachen beseitigen. So sollten Tierhalter auf eine geschlossene Grasnarbe Wert legen, sich im Erkennen von problematischen Grünlandpflanzen üben und sich um ein auf die Nutzung der Fläche abgestimmtes Grünlandmanagement bemühen.

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