Der Tierschutzbeirat Schleswig-Holstein hatte am 13. Und 14. Februar 2020 zu einem Abendvortrag und Tages-Workshop zum Thema „Wie gut geht es meinem Pferd?“ eingeladen.

Zeitler Feicht

Zur Abendveranstaltung im Emil-Lang-Hörsaal der CAU Kiel konnten die Vorsitzenden des Tierschutzbeirats Sabine Petersen und Prof. Dr. Edgar Schallenberger rund 70 Personen begrüßen. Dazu zählten neben Vertretern von Tierschutzvereinen, des Pferdesportverbandes, der Pferdezuchtverbände uvm. auch die VFD.

Die Referentin Dr. Margit Zeitler-Feicht stellte an diesem Abend nach einer kurzen Exkursion in das Verhaltensmuster von Pferden vor allem das von ihrer Arbeitsgruppe entwickelte „Weihenstephaner Bewertungssystem der Pferdehaltung“ BESTUPFERD vor.

Frau Dr. Zeitler-Feicht ist u.a. Mitglied im Fachbeirat Ethik der VFD, arbeitet an der Neufassung der „Leitlinien Tierschutz im Pferdesport“ mit und forscht seit fast 40 Jahren zum Verhalten der Pferde. Ihr Buch „Handbuch Pferdeverhalten“ ist ein wertvolles Nachschlagewerk für alle Pferdemenschen.

Das Weihenstephaner Bewertungssystem soll in Zukunft zur Beurteilung von Pferdehaltungen nach wissenschaftlichen Kenntnissen herangezogen werden. Dabei arbeitet das wissenschaftliche Team auch mit Vertretern der Pferdesportverbände, der Industrie Stallbau und den Veterinärämtern zusammen.

Im Expertenrat des Weihenstephaner Bewertungssystems ist Heiner Sauter für die VFD vertreten.

Insgesamt werden rund 200 Bewertungskriterien abgefragt. Neben den rein messbaren Faktoren (Größe von Ausläufen oder Liegeflächen) geht es um das sogenannte Tierwohl. Das Tierwohl ist nicht nur ein aktueller „Modebegriff“ der Presse, sondern benennt in der Wissenschaft einen objektiv messbaren Zustand des Wohlbefindens.

Da das Wohlbefinden von Pferden nicht mit Worten ausgedrückt werden kann, müssen sogenannte Indikatoren herangezogen werden. Dazu zählen u.a. Verhalten, körperlicher Zustand, der „Horse Grimace Scale“, Körperhaltung wie Ohrenspiel, Schweifhaltung uvm.

Die Aussagekraft dieser tierbezogenen Indikatoren ist als sehr hoch einzustufen.

In der praktischen Pferdehaltung ist neben einer artgerechten Unterbringung der Tiere ein gutes Management im Betrieb dem Tierwohl förderlich.

Ein Blick in die Zukunft: über ein Zertifizierungssystem oder Lizenzvergaben können Betriebe nach dem Weihenstephaner Bewertungssystem beurteilt werden. Dies entlastet zum Einen Veterinärämter und stellt zum Anderen das Pferdewohl als dringlichsten Faktor einer guten Haltung in den Vordergrund. Die Einhaltung der „Leitlinien zur Pferdehaltung“ als Mindestanforderungen vorausgesetzt.

In der anschließenden Diskussion ging es vorrangig um die praktische Umsetzbarkeit in den Betrieben. Neben den notwendigen finanziellen Mitteln wurde auch immer wieder zu wenig Verständnis seitens der Einsteller beklagt. Nicht nur in konventionellen Ställen sondern auch in den sogenannten „Freizeitställen“ mit Offenstallhaltung. 

Prof. Dr. Schallenberger wies eindringlich darauf hin, dass gute Pferdehaltung gewisse Finanzmittel voraussetzt; landwirtschaftliche Betriebe müssten in das Tierwohl investieren, der private Pferdehalter selbstverständlich auch.
Die Diskussion verlief aber in gemäßigter Atmosphäre, die Teilnehmer konnten ausreden und es gab keine Zwischenrufe. 

Vielen Dank dem Tierschutzbeirat Schleswig-Holstein als Organisator dieses informativen Abends.

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