Aktuell ist es wieder in vielen Straßenböschungen, aber leider auch zahlreichen Wiesen und Weiden zu sehen: Das berüchtigte Jakobskreuzkraut

Kreuzkräuter enthalten für Weidetiere hochgiftige Pyrrolizidin-Alkaloide und gefährden zunehmend die Nutzung von extensiven Grünflächen als Futterbasis für die Tierhaltung. 

Während die grüne Pflanze von den Tieren gemieden wird, kann sie im getrockneten Zustand wie Heu oder Heulage von den Tieren nicht mehr als Giftpflanze wahrgenommen werden. Insbesondere Pferdehaltende kämpfen seit vielen Jahren gegen die invasive Verbreitung des JKK an. Die Vergiftung von Rindern und Pferden durch das Jakobskreuzkraut ist auch als „Schweinsberger Krankheit“ bekannt und tritt in der Regel als chronische Vergiftung auf. Durch die Bildung von toxischen Metaboliten in der Leber endet diese fast immer tödlich. Die Problemstellung (Toxizität) ist seit Jahrzehnten bekannt.JKK Pferde

In den letzten Jahren hat sich das Jakobs-Kreuzkraut in manchen Regionen massiv auf Mähwiesen und Weiden ausgebreitet. Einige Landwirte und Naturschützer versuchen seit Jahren das JKK auf ihren artenreichen Flächen einzudämmen, während sich auf den Nachbarflächen die Pflanzen weiter vermehren. Das Problem: Bei der Bekämpfung der Pflanze stehen Pferdehalter und Landwirte meist alleine da.

Extensiv genutzte Flächen werden sehr spät, also nach der Blüte, gemäht. Die Kreuzkräuter bilden bis dahin Millionen von Samen und verbreiten sich schnell. Und das erfolgt nicht nur kleinräumig durch den Wind, sondern auch über weitere Entfernungen durch den Verkehr und im Zuge von landwirtschaftlichen Arbeiten. Denn die Samen haften an Reifen, Maschinen und Geräten. Sogar die Rasenflächen von Hausgärten erobert das Jakobskreuzkraut (JKK). Bienen und Wildtiere halten sich an keine Grenzen. Wirklich erfolgversprechend ist daher nur eine flächendeckende Kontrolle.

Es ist in manchen Regionen inzwischen schwer, noch JKK-freies Heu zu bekommen. Zudem wird befürchtet, weitere artenreiche Wiesen zu verlieren, weil diese nach Besiedelung durch das JKK mit Herbiziden behandelt, intensiviert oder sogar umgebrochen werden. Naturschutzgebiete könnten nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden und dadurch droht dort eine Verbuschung. 

Jakobskreuzkraut – Erkennen - Ursachen kennen – Vorbeugen – Eindämmen 

Wir empfehlen zur Bestimmung der Kreuzkräuter eine APP wie  Flora Incognita ‒ automatische Pflanzenbestimmung zu nutzen. Mit Hilfe einer solchen APP können per  Smartphone, auch Giftpflanzen wie das JKK bestimmt werden.

Im ersten Jahr bildet die Pflanze eine Rosette mit tief geschlitzten Blättern. Von ihrer Pfahlwurzel ausgehend, erstrecken sich zahlreiche Faserwurzeln im Umkreis von 30 cm und mehr. Im zweiten Jahr wächst der aufrechte Stängel (rötlich gefärbt), der sich oberhalb der Mitte verzweigt. Erste blühende Pflanzen findet man ab Mitte Juni, die Hauptblütezeit ist Juli  bis August. Jakobskreuzkraut ist ein Körbchenblüher. Die rund 15 bis 20 mm breiten goldgelben Einzelblüten werden aus den innenliegenden Röhrenblüten gebildet, die sehr charakteristisch von 13 gelben Zungenblütenblättern umgeben sind. Ausgewachsene Pflanzen werden leicht 1 m hoch. 

Ursachen von Massenvorkommen:
Sicherlich haben auch Jahre mit länger anhaltenden Trockenphasen die Ausbreitung begünstigt. Gefördert wird die Vermehrung ebenfalls durch nicht fachgerechtes Grünlandmanagement. Weiterhin kann eine nicht Aufwuchs angepasste Extensivierung auf dem Dauergrünland und die Einbringung nicht heimischer Genotypen mit dem Saatgut zur Begrünung von Straßenbegleitgrün, Wildäckern und Brachen, die Ausbreitung vorangetrieben haben. 

Vermehrungsstrategie des JKK: Verdrängung anderer Arten durch Rosettenbildung mit Nährstoffspeicherung, schnelles Wachstum, hohe Samenproduktion, rasche und frühe Samenreife, Störungstoleranz.

Vorbeugung:JKK Samen

  • Ursachen von Massenvorkommen verhindern
  • regelmäßiger Wechsel der Mahd und Weideflächen
  • konsequente Weidepflege: Abschleppen, Nachmahd, Nachsaat mit Regiosaat lückiger Flächen
  • frühe Nutzung (Wanderschäfer) und angepasste Düngung fördert die Konkurrenzkraft der Untergräser
  • vermeiden von Trittschäden während der Weidesaison - bis zur Blüte muss die Grasnarbe wieder geschlossen sein
  • in Problem-Regionen Verhinderung der Samenbildung durch frühe Mahd, mindestens zwei Schnitte bei reiner Schnittnutzung

Eindämmen: 

  • Entfernen der gesamten Pflanze inkl. der vollständigen Wurzel am besten mit einer Grabgabel und bei feuchtem Boden und vor dem Aussamen, dennJKK Blutbär Wurzelreste ermöglichen eine vegetative Vermehrung und die Samen sind bis zu 20 Jahre im Boden fruchtbar.
  • Die gesamte Pflanze sollte unbedingt direkt in der professionellen Müllentsorgung (Verbrennung oder Heiß-Kompostierung) entsorgt werden. Nicht auf dem heimischen Kompost oder Misthaufen. 
  • Sinnvoll ist das Tragen von Handschuhen beim Roden. Aufpassen sollte man besonders bei defekter Haut, Neurodermitis und anderen Ekzemen. Auch können einzelne Menschen Kontaktallergien zeigen. 
  • JKK ist nur bedingt chemisch zu bekämpfen: ggf. Einzelbehandlung mit Dochtstreichgerät 
  • Die Ansiedelung des Blutbären (Schmetterlings-Raupen) scheint zumindest teilweise erfolgreich. Hier fehlen aber Untersuchungen.

Forschung: 

Die Universität Gießen hat sich gemeinsam mit Landwirten, dem Julius-Kühn-Institut (Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen) sowie weiteren assoziierten Partnern das Ziel gesetzt, neue naturverträgliche Methoden zu entwickeln, um die Kreuzkräuter zurückzudrängen. (Operationelle Gruppe (OG) „Antago-Senecio“ (Integrierte Bekämpfung von Senecio [Kreuzkräutern] durch Antagonisten und Produktionstechnik))

Die VFD engagiert sich für einen differenzierten Umgang mit dem Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea), für dessen Eindämmung und damit für den Erhalt artenreichen Grünlandes. Die Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts (JKK) muss kontrolliert und frühzeitig reguliert werden. Wir fordern den Erhalt und die Förderung artenreichen Grünlands, wir suchen konstruktive Lösungen, beteiligen uns an der Forschung, informieren und bilden weiter:

  1. Bestandsaufnahme/Kartierung 
  2. Forschung (Ursachen, Boden)
  3. Gemeinsame Aktionstage mit Landwirtschaft, Naturschutz und Kommunen
  4. Forderung der Entsorgungsmöglichkeiten für alle Landwirte, Naturschützer oder Privatleute
  5. Förderung von Prävensionsmaßnahmen

Weitere Links zum Kreuzkraut:
2022: Gemeinsam gegen das Jakobskreuzkraut und für die Artenvielfalt 

2018: Jakobs-Kreuzkraut ist kein Grund zur Panik aber ein Grund zum Handeln

2017: "Kreuzkräuter und Naturschutz" vom Deutschen Verbandes zur Landschaftspflege (DVL)

der Arbeitskreis Kreuzkraut e.V. informierte seit August 2007 über die Gefährlichkeit von Kreuzkräutern: https://www.ak-kreuzkraut.de/

Regulierung von Massenvorkommen des Jakobs-Greiskrautes (Senecio jacobaea L.) durch natürliche Antagonisten DBU-Abschlussbericht

Biologische Station: Life-4Siegerlandscapes

Steckbrief Jakobs-Kreuzkraut 

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