Endlich Wanderreiten!


Stundenlange Ausritte oder Urlaub mit dem eigenem Pferd sind schon lange Bestandteil meiner Freizeit mit dem geliebten Vierbeiner. Jetzt sollte es aber endlich auch mal ein Wanderritt über mehrere Tagen von einem Ort zum anderen sein. Die Ausschreibung des VFD Landesverbandes  M-V zu einem Ritt Anfang Juni 2016 kam da wie gerufen:  vier Tage mit Etappen von 20 bis 26 km, eine kleine Gruppe von max. 8 Reitern sowie die Begleitung durch einen Trosser und bereits bekannte Rittführer. Ideal zum "Reinschnuppern" befand ich und meldete mich an. Begleiten sollte mich mein 12jähriger Appaloosa "Blue".

Vorbereitung
Einiges gab es im Vorfeld zu erledigen, nicht alles lief ganz glatt.
Bei der Zusammenstellung unseres "Reisegepäcks" empfand ich die kleine Übersicht der benötigten Ausrüstung, die uns die Organisatoren Orla und Uwe Götz vorab mailten, sehr hilfreich.  Die beiden beantworteten mir auch geduldig alle Anfängerfragen.
Neben dem Training von Ross und Reiter, war die Zusammenstellung der Ausrüstung ein großes Thema.
Blues Westernsattel erwies sich nach dem Winter als nicht mehr passend. Ein Termin mit dem Satteltruck nur drei Monate vor dem Wanderritt löste das Problem gerade noch rechtzeitig. Bis dahin hatten wir uns mit Spaziergängen, Bodenarbeit und Reiten mit Fellsattel schon eine gute Grundkondition erarbeitet.
Dabei konnte ich auch gleich die Laufeigenschaften meiner Reitschuhe ausgiebig testen.
Mit dem passenden Sattel begann ich nun unsere Rittstrecken ausdehnen. Leider fiel unsere Trainingspartnerin aus. Für Blue war es anfangs sehr aufregend allein unterwegs zu sein, ritten wir doch sonst immer in Begleitung aus. Ich sah dies optimistisch als gute Vorbereitung für unseren 4-tägigen Ausflug ohne seine bekannten Herdenmitglieder.
Nachdem das Sattelproblem behoben war, blieben noch die Entscheidung bei der Satteltaschenauswahl und über die mitzunehmende Futtermenge, die Vorkehrungen zur Insektenabwehr (Spray, Decke, Fransen oder Maske),  sowie dem sonstigen notwenigen Equipment (Futter-, Wassereimer, Material zum Paddockbau).  Und natürlich musste noch die eigene Reisetasche gepackt werden.

Vorabend und 1. Tag
Am Donnerstagabend reisten vier Reiter-Pferd-Paare sowie unser Trosser mit Sack und Pack bei den Rittführern Uwe und Orla in Langhagen an.  Ich war nicht dabei... Private Gründe führten kurzfristig dazu, dass ich erst am Freitagabend zur Gruppe stoßen können würde. Glücklicherweise war dies für meine Mitreiter kein Problem. So musste ich meinen ersten Wanderritt nur verkürzen, statt ganz abzusagen.

 

2016-06-03 Wanderritt Langhagen und Pause

Verpasst habe ich dadurch aber wohl die landschaftlich schönste Etappe der Gesamtstrecke - ca. 26km von Langhagen nach Wooster Teerofen durch die Nossentiner-Schwinzer Heide. Unterwegs schlug die Stunde der Wahrheit - auf einer Getreidewaage konnte sich jeder mit seinem Pferd wiegen. Es gibt Beweisfotos!

Bereits an diesem Tag zeigte sich, was uns auf dem gesamten Ritt begleiten würde: herrlichstes Wetter mit strahlendem Sonnenschein sowie viele Mücken und Bremsen!  Ohne Fliegendecke und Insektenspray ging es nicht.
Die erste Nacht verbrachten wir auf der Ferienanlage "Am Wald" in Wooster Teerofen, untergebracht in gemütlichen Ferienhäusern. Am Abend - rechtzeitig zum Abendbrot - kamen auch Blue und ich dort an.
Auf Nachfrage erlaubte uns der Betreiber des dortigen Campingplatzes einen etwas abseits der Hauptbadestelle gelegenen Seezugang abends mit unseren Pferden zu besuchen. Für Blue startete der Wanderritt so mit einem echten Highlight:  er liebt Wasser und war eine halbe Stunde damit beschäftigt herum zu planschen und sich im Wasser zu wälzen.
Den Tag ließen wir auf der Terrasse ausklingen, lauschten dabei dem Gitarrenspiel und Gesang von Christine.

2016-06-03 Wanderritt Wooster Teerofen Baden

2. Tag
Um die noch milden morgendlichen Temperaturen zu nutzen, hatten wir entschieden, früh zu starten.
Gemeinsam wurde nach dem Frühstück gesattelt, das Gepäck verstaut sowie die Paddocks abgebaut und gesäubert.

2016-06-04 Wanderritt Wooster Teerofen

  Die zweite Tour führte uns ca. 26 km weiter durch die Nossentiner Schwinzer Heide in die Dobbertiner Seenlandschaft und das mittlere Mildenitztal bis nach Lenzen.
Im Wald war es zwar angenehm schattig und etwas kühler, dafür pisakten die Mücken umso mehr. Auf dem freien Feld gab es weniger Insekten – dafür sorgte die Sonne für Schweißperlen und Sonnenbrand. Jedes kleine Lüftchen wurde freudig begrüßt. Die Pferde drängten voran, um der stechenden Plage zu entgehen und so ging es im flotten Tempo durch die Landschaft.
Blue und ich mussten uns erst einmal in die Geschwindigkeit der Gruppe einfinden - für den gemütlichen Wanderreitanfänger (Ross und Reiter) durchaus ungewohnt.  Fremde Pferde bedeuten immer ein Anpassen an Geschwindigkeit, gegenseitige Rücksichtnahme, Achtsamkeit, damit der nötige Abstand gewahrt bleibt.
Auf etwa der Hälfte der Strecke wurden  wir am Rand einer Wiese von unserem Trosser André zu einer Pause erwartet. Trotz der hohen Temperaturen waren die Pferde weniger am Wasser als am Gras interessiert. Die Reiter tranken dafür umso mehr. Ohne Wasserflasche am Sattel ging nichts.

 

2016-06-04 Wanderritt Pause

 Am Tagesziel in Lenzen war unser Trosser kurz vor uns angekommen und so hieß es erst mal, zusammen die Paddocks aufbauen. Die Dusche war danach heiß begehrt. Belohnt wurden wir an diesem Abend mit einem opulenten Abendbrot – leckere Salate und Gegrilltes satt.
Als kulturelles Abendprogramm besuchten wir die zwei ansässigen Töpfereien, bevor wir am Lagerfeuer wieder Christine lauschten.

 2016-06-04 Wanderritt Lenzen

3. Tag
Ziel des dritten Tages war Baumgarten. Auf ca. 22km ging es dieses Mal häufiger an Straßen entlang. Wir ritten vor allem Schritt, waren so etwas langsamer als an den Vortagen unterwegs.

Die erste Hälfte der Strecke durften Blue und ich die Gruppe anführen, navigiert von Orla. Blue fühlte sich dabei sichtlich wohler als am Ende der Gruppe und war recht flott unterwegs.
Unser Trosser erwartet uns wieder zu einer kleinen Pause, in der wir die Pferden tränkten und grasen ließen.

2016-06-05 Wanderritt Lenzen und Pause

Am Haflingerhof Baumgarten angekommen, konnten wir die Pferde gleich versorgen - unser Trosser hatte sich sehr beeilt und die Paddocks bei unserer Ankunft bereits fertig aufgebaut.

2016-06-05 Wanderritt Baumgarten

 Nachdem wir uns etwas ausgeruht und frisch gemacht hatten, ging es ins Café "Alte Schule". Bei leckerstem hausgemachten Kuchen ließen wir es uns im Schatten des imposanten Weidendoms gut gehen.

2016-06-05 Wanderritt Baumgarten Cafe Alte Schule

 4. Tag
Die Rittführung der letzten und mit 20 km kürzesten Etappe unseres Wanderrittes übernahm Anette.
Auch hier waren wir bedingt durch die Untergründe vermehrt im Schritt unterwegs. Während die Pferde allesamt gut drauf waren, merkte man den Reitern durchaus an, dass die Hitze der letzten Tage zu schaffen machte.  In Büschow konnten wir unsere Pferde mit Heu und Wasser versorgen - vor der Heimreise konnten sie so noch etwas verschnaufen. Auch den Reitern tat es gut, bei kalten Getränken noch eine Weile zusammen zu sitzen.

2016-06-05 Wanderritt nach Büschow

Danke schön!
Die erfahrenen Wanderreiter Uwe und Orla (Tag 1 bis 3) sowie Annette (Tag 4) haben viel Zeit in die Vorbereitung und Organisation gesteckt. Unterkünfte wurden gesucht, Wege wurden abgefahren, nach Alternativen gesucht, um möglichst auf Hufschutz verzichten zu können. Dies ist nicht immer einfach mit dem Ziel einer Tagesetappe zwischen 20-25km und dabei möglichst schöne und abwechslungsreiche Landschaften zu durchqueren.
Als sehr angenehm empfand ich, dass wir stets zu Fuß gestartet und angekommen sind. Auch  zwischendurch sind wir immer mal wieder abgestiegen und haben die Pferde ein Stück geführt.
Gold wert ist ein Trosser wie wir ihn hatten: Morgens das Gepäck verstauen und Paddocks abbauen, dann am vereinbarten Pausentreff mit Wassereimern bereit stehen und uns mit Aufstiegshilfe wieder aufs Pferd helfen. Möglichst vor uns am Ziel seien, um schon die Paddocks vorzubereiten. Und dabei nie die gute Laune verlieren und bitte auch noch Fotos machen.
Blue hat der Wanderritt sehr gut getan. Wir waren mit unserem Training gut vorbereitet, so dass ihm Wärme und das teils flotte Tempo keine Probleme bereiteten. Ebenso waren wir die gesamte Strecke problemlos barhuf unterwegs.
Mir hat der Ritt auch die ein oder andere reiterlich Schwäche aufgezeigt. Vermehrt üben werden wir nun verschiedene Tempi in allen Gangarten.  Und gesichert ist: Der nächste Wanderritt wird kommen!

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