Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wie es um die Hufe steht, wenn man im Gelände mit dem Pferd unterwegs ist? Möchte man beschlagen oder kommt das eigene Pferd mit dem Horn aus, was natürlicherweise nachwächst? Was gibt es für Alternativen?

All dies sind alltägliche Fragen wie die Hufe der Pferde wahrgenommen werden. Jetzt wird es nochmal interessant, wenn wir nicht den Hallensand und Wiese sehen, sondern die unebenen Böden, welche das Pferd im Gelände erwartet.

Ich habe mit einer erfahrenen Wanderreiterin hier in Sachsen gesprochen, die Ihre Touren weit über die sächsische Landesgrenze ins Tschechische ausdehnt, was sie zu den sächsischen Reitwegen meint. Sie hat vor einigen Jahren die Reitwege mittels Schulnoten kategorisiert und nach Ihrer Aussage ist sie unterwegs wie ein "Gletscherforscher der seine Gletscher schmelzen sieht", so verwandeln sich viele natürliche Reitwege in Wald und Flur in Schotterpisten oder zu ganz anderen Extremen. "Wenn der letzte Feldweg asphaltiert ist und der letzte Waldweg geschottert ist, höre ich auf mit Wanderreiten!", hallte es in meinen Gedanken nach. Dieser traurige Spruch fordert mich zum Nachdenken auf und wie schrecklich ist der Gedanke an das Innere des Hufes, an die Sehnen und Muskeln, welche die 3D-Belastung kompensieren müssen. Und was passiert bei eisenbeschlagenen Pferden?

Die unteren zwei Gelenke der Pferde sind die selbigen, die wir in den Fingern haben. Diese Gelenke beim Pferd (Bild: A-C Hufgelenk, C-D Krongelenk, D-E-F Fesselgelenk) sind Sattel- und Scharniergelenke und ein zusammengesetztes Gelenk (aufsteigend). Das bedeutet, dass die Gelenke keine seitliche Ausweichbewegung zulassen. Auch bei unseren

Fingern macht erst das Mittelhandgelenk (3. Gelenk) und bei den Pferden das nächst obere, nicht im Bild dargestellte, Karpalgelenk leichte seitliche Bewegungen mit und letztendlich die Ellenbogen und Schulterregion des Pferdes. Aber was bedeutet das nun für den Huf auf weichem oder hartem und zudem noch unebenen Geläuf?

Anatomie Huf

Bei weichem Boden, gibt dieser gut nach und federt, wie es der natürliche Waldboden und der natürliche Wiesenfeldweg macht. Bei harten Böden federt der Band- und Sehnenapparat und der Ballen-/Strahlkomplex den Huf ab und werden mehr beansprucht, jedoch eben schlecht auf Dauer. Ein Pferd was schon einmal 100 Kilometer an drei Tagen nur auf Asphalt laufen musste, war in den Gelenken kaputt.

Bei unebenen Böden schluckt der Barhuf circa drei bis fünf Zentimeter

Bodenunebenheiten über die Bewegung der Hornkapsel und durch Pufferung über den Strahl und Ballen ab. Jedoch das Pferd bekommt die Information, "oh es ist unangenehm", also vorsichtig laufen. Was man auch teilweise unter „Fühligkeit“ versteht, aber total normal ist.

Jedoch ist der eisenbeschlagene Huf gefühlstaub und die Gelenke und die Sehnen fügen sich den maximal möglichen Ausweichbewegungen, das Pferd hat keine Nerven in Gelenk und Sehne und bekommt den Schaden erst mit, wenn es zu spät ist, wenn angelaufene Beine mittellangfristig oder Arthrosen langfristig die Folgen sind.

Auch wieder eine neue Sichtweise, wenn es um Hufschutz geht. Eine Alternative sind Hufschuhe, dabei gibt es Unterschiede in den Sohlen. Die Dicke und Härte beziehungsweise Weichheit dieser in den unterschiedlichen Hufschuhmodellen. Die Sohlen passen sich den Bodenunebenheiten an, schlucken diese weg, wie unsere Sohlen an unseren Schuhen und vergrößern die Oberfläche und der Barhuf wird in seiner Funktion nicht unterbunden und kann im Hufschuh selber Ausweichbewegung via Hornkapsel und Strahl-/Ballenkomplex tätigen.

Damit bleibt ein wesentlicher Bestandteil der natürlichen Funktionalität erhalten. Was jedoch zu kurz kommt bei den unterschiedlichen Sohlen, ist das Gefühl der Pferde für den Boden unter ihren Hufen. Dieses Gefühl wird bei einigen Hufschuhen stark gefordert (z.B. Scoot Boot) und bei Hufschuhen mit sehr harter (RENEGADE) oder sehr weichen Sohle (Equine Fusion Jogging Shoe) eher weniger. Folglich haben die Pferde wenig bis kein Gefühl mehr für den Untergrund.

Warum ist (mir) das wichtig?

Denn erst wenn ein Pferd den Untergrund spürt, kann es sich über seinen Tastsinn her über Muskelspannung und Stärke der Belastung und Ausweichbewegung vorbereiten. Das geschieht in einer Millisekunde, aber auch für den Hinterhuf ist es eine wichtige Information, denn der Hinterhuf sollte in die Spur des Vorderhufes fußen.

Kurzum ist der Hufschuh keine endgültige Lösung und das Eisen auch nicht, sollte das Pferd viel im Gelände unterwegs sein. Leider muss ich auch zugestehen, dass das Aufschottern von Wegen auch in anderen Bundesländern Überhand gewinnt und ich wirklich an die Gesundheit der Pferde appellieren möchte, dass Reitwege einen natürlichen Untergrund haben müssen, um den Tieren anatomisch gerecht zu werden, was letztendlich tierschutzrelevant sein kann.

Dipl.Agr.Ing. Katja Doering

33 Jahre alt

Huforthopädin sein 2011 nach DHG e.V. (Konstanze Rasch)

Hufschuhe-Beraterin seit 2011 in allen neuen Bundesländern

Info: www.HuforthopaedieDoering.de

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