Dr. Renate Vanselow, Biologin und Stellvertretende Leiterin des Arbeitskreises Umwelt der VFD, gibt in einem Interview im Landwirtschaftlichen Wochenblatt Westfahlen-Lippe aktuell Hinweise zur atypischen Weidemyopathie. Vorab: Die atypische Weidemyopathie betrifft die Muskulatur der Pferde. Gefährdet sind Weidepferde zu den Jahreszeitenwechseln. Häufiger sind junge Pferde betroffen, aber es kann grundsätzlich Pferde und Ponys aller Altersstufen und Rassen betreffen. Die Erkrankung tritt meist in Zusammenhang mit einem plötzlichen Kälteeinbruch oder hoher Luftfeuchtigkeit auf. Auch stürmische Tage wurden in Zusammenhang mit dem Auftreten der Krankheit schon beobachtet.

Über neue Forschungsergebnisse amerikanischer Wissenschaftler und die Auffassung des VFD-Arbeitskreises Umwelt hatten wir bereits am 16.11.2012 berichtet.

Dr. Renate Vanselow stellt in dem Artikel nochmals heraus, dass man in den amerikanischen Studien nur die Teilaspekte der Ahorn-Theorie untermauert hat, die auch der AK Umwelt 2009/2010 bereits entwickelt und 2010 veröffentlicht hatte. Außer Acht gelassen habe man, dass bei der Begehung betroffener Flächen neben Ahornsamen und –laub auch immer Deutsches Weidelgras gefunden wurde.
Die amerikanischen Wissenschaftler haben sich in ihren Ausführungen auf die Ahorn-Theorie beschränkt und das Hypoglycin A in Keimblättern (Samen) des nordamerikanischen Eschenahorn, der bei uns gelegentlich als Parkbaum gepflanzt wird, nachgewiesen.

Renate Vanselow betont: „Die Samen von Ahornarten, genauer die Keimblätter, können einen ungewöhnlichen Eiweißbaustein (Aminosäure) enthalten, der giftig wirkt, da dieser Baustein mit dem Namen Hypoglycin A den Stoffwechsel der Zellen behindert. (…)  In der Literatur sind Gehalte des Giftes Hypoglycin A in den Samen und Keimblättern unserer heimischen Ahornarten – Spitzahorn und Bergahorn – bekannt.“

Nach ihrer Darstellung ist es richtig, dass in Ahornsamen, wie auch in den Keimblättern Giftgehalte gemessen wurden. Nachgewiesen wurden die Giftgehalte bereits in den Samen des Eschenahorn (Acer negundo), des Spitzahorn (Acer platanoides) und des Bergahorn (Acer pseudoplatanus). Feldahorn (Acer campestre) gilt bisher als ungiftig. Ob altes Laub ebenfalls Giftstoffe enthält, wird noch diskutiert. Unklar ist zur Zeit, warum Pferde fast nur Vergiftungen auf (überweidetem) Grasland statt auf grasfreien Paddocks zeigen, ob hungrige Pferde Ahornsamen und Keimlinge in größerer Menge aufnehmen, und welche Menge dieser Pflanzenteile hier heimischer Ahörner notwendig wäre, um ein Pferd zu vergiften.

Die Vergiftungen könnten jedoch auch durch Pilze ausgelöst worden sein, die in den gefundenen Pflanzen (Ahorn und Weidelgras) vorhanden sein können. Beim Deutschen Weidegras ist es der Pilz Neotyphodium lolii.
Sollten Pferdehalter auf oder in der Nähe von ihren Weiden Ahornbäume haben, rät unsere Expertin, dass die Pferde und Ponys nicht übermäßig hungrig gehalten werden sollten. Eine Zufütterung von z.B. Heu sollte nicht in der Nähe der Bäume erfolgen. Waren auf einer Weidefläche bereits Tiere von der Krankheit betroffen, sollte die Fläche bei Wetterkapriolen nicht beweidet werden.  

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