31-07-2023 Die DBBW - Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf hat den Bericht zu "Prävention und Nutztierschäden 2022" veröffentlicht:

Berichte zu Prävention und Nutztierschäden - DBBW

In Deutschland steigen die Übergriffe auf Pferde im Verhältnis zu anderen Weidetieren signifikant an.

Allerdings unterscheidet sich die Stärke des Anstiegs zwischen den Bundesländern erheblich. Einzelne Bundesländer erreichen bei der gleichen Anzahl an Wolfsterritorien sehr unterschiedliche Zahlen. Dies deutet darauf hin, dass das Ausmaß der Schäden nicht allein durch die Anzahl der Wölfe bestimmt wird. Man vermutet, dass die Unterschiede im Schadensniveau, vor allem in der unterschiedlichen Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen in den einzelnen Bundesländern, begründet ist.

Ausgewachsene Rinder und Pferde sind durch ihre reine Körpergröße nicht so einfach zu erbeuten wie Schafe und Ziegen. Zudem sind sie im Vergleich zu diesen mitunter von Natur aus recht wehrhaft und reagieren teilweise aggressiv auf potentielle Bedrohungen. Allerdings gibt es deutliche individuelle und rassenbedingte Unterschiede. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass sich erwachsene Rinder und Pferde generell selbst vor Übergriffen schützen können und deshalb keines Herdenschutzes bedürfen.

Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Anzahl der Übergriffe auf Rinder deutschlandweit konstant (2021 200, 2022 196 Übergriffe), wobei im hauptsächlich betroffenen Brandenburg ein deutlicher Rückgang sowohl der Schadensfälle als auch bei der Anzahl geschädigter Tiere zu verzeichnen war, in Niedersachsen dagegen eine Zunahme.

In Projekten in Brandenburg und Sachsen-Anhalt konnte demonstriert werden, dass auch Rinder erfolgreich durch Herdenschutzmaßnahmen, wie etwa elektrifizierte Zäune, geschützt werden können (Hartleb et al. 2017; LAU 2018; Kamp 2021).

Von 2000 bis 2019 wurden deutschlandweit 10.074 geschädigte Nutztiere gemeldet, darunter 21 Pferde. Nicht in allen Fällen wurde der Wolf sicher als Täter festgestellt. Von 2000 bis 2021 gab insgesamt 35 Übergriffe. Dies ergibt sich aus den amtlich bestätigten Daten, bei denen ein Wolf als Verursacher als „gesichert“ (23) gilt oder „nicht vollständig ausgeschlossen“ (12) werden kann.​

2022 wurden 25 Fälle mit insgesamt 30 geschädigten Pferden gemeldet. Pferde sind deutlich seltener von Wolfsübergriffen betroffen. In 16 Fällen (mit 17 geschädigten Pferden) wurde der Wolf als Verursacher genetisch bestätigt. Bei den genetisch bestätigten Fällen handelte es sich um sechs adulte Shetland-, Classic- bzw. Mini-Shetlandponys (fünf tote und ein verletztes), ein 30 Jahre altes Deutsches Reitpony sowie 10 Koniks in Robusthaltung (3 verletzte, 7 tote), darunter 3 Fohlen <= 2 Wochen.

Die genetisch unbestätigten Fälle betrafen zwei junge Fohlen im Alter von 0 – 14 Tagen (beide tot), sowie 11 verletzte Großpferde > 12 Monate (Hannoveraner, Tinker, Traber, Lusitano).

Die meisten Vorfälle mit Pferden wurden aus Niedersachsen (12) und aus Thüringen (11) gemeldet.

Risstatistik

Präventionsmaßnahmen, dass heißt, ein frühzeitiger Schutz, besonders von Ziegen und Schafen, ist im gesamten Vorkommensgebiet des Wolfes wichtig um Übergriffe zu vermeiden. Damit kann auch verhindert werden, das Wölfe lernen, besonders ungeschützte Nutztiere zu jagen. Dies betrifft auch größere Tiere wie Rinder und Pferde. Jedoch werden präventive Schutzmaßnahmen für Rinder und Pferde in den meisten Bundesländern erst nach Übergriffen durch Wölfe gefördert, und oftmals einschränkend für Equiden bis zu einem Jahr.

Bisher fehlen aus Deutschland qualifizierte Daten zur Funktionstüchtigkeit der geförderten und im Einsatz befindlichen Schutzmaßnahmen. Solche Daten sind notwendig, um zu verstehen, warum trotz steigender Präventionsausgaben die Nutztierschäden teilweise auch in Gebieten mit jahrelanger Wolfspräsenz nicht zurückgehen. Sie sind zudem die Grundlage für wissenschaftliche Studien zu möglichen Unterschieden in der Wirksamkeit verschiedener Herdenschutzmethoden.
Neben der Untersuchung der rein technischen Aspekte des Herdenschutzes ist es ebenso wichtig herauszufinden, wie die Akzeptanz gegenüber Herdenschutzmaßnahmen bei den Tierhaltenden verbessert und deren Eigenmotivation erhöht werden kann. Hierfür sind Daten zur Umsetzbarkeit und Akzeptanz der eingesetzten Herdenschutzmaßnahmen erforderlich. Nutztierhaltende sollten mit eingebunden werden, um sicherzustellen, dass die Fragen untersucht werden, deren Beantwortung für sie am dringendsten ist.

Quellen:

https://www.dbb-wolf.de/mehr/pressemitteilungen/details/bericht-zu-praevention-und-nutztierschaeden-2022-veroeffentlicht

Wie lassen sich Nutztierübergriffe durch Wölfe nachhaltig minimieren?

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