Zur 40-Jahr-Feier unserer Vereinigung in Reken hat auch der Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein beigetragen. Federführend war unsere zweite Vorsitzende, Gudrun Neuhaus. Ihre erste, gradlienig-hamburgische Reaktion damals war: „Nach Reken? Das Landesverbandszelt betreuen? Klar, wieso nicht?“ Für Gudrun war es die erste Reise nach Reken und also die Möglichkeit, die vielen Erzählungen über diesen „sagenhaften“ Ort einmal kühl norddeutsch unter die Lupe zu nehmen. Im Januar begann ihre Planung. Wie soll das Zelt geschmückt werden? Welche Info -Materialien nehmen wir mit? In vielen kleinen Gesprächen mit Mitgliedern und Bezirken entstand in Gudrun ein klares Bild: Die Bezirksverbände müssen als eigenständige Vereine deutlich in den Vordergrund gestellt werden, dann das Bundesland als solches vorgestellt werden. Am Schluss soll der Landesverband mit Zielen, Wünschen und Meinungen sichtbar werden. Doch wie setzt man das um?

Vielleicht Gudruns erster genialer Einfall war das unverkennbare Kostüm, das für jeden Besucher deutlich machen sollte, das wir ganz aus dem Norden kommen: Hamburger Fischerhemd, Jeans und die schwarze Hamburger Fischer-Kappe auf dem Kopf, dazu ein rotes Halstuch. Im Laufe des Winters wurde Gudrun dann das Transportproblem klar: Mit dem Zug fahren?! Wie dann all das Material dorthin bekommen? Also mit Gudruns Auto fahren? So weit? Und alles Equipment mit... für Gudrun der Anfang für einen Thriller und schlaflose Nächte.

Es ging dann aber erstmal ganz locker mit Reparaturen des alten Wagens und dem Umbau der großzügigen Ladefläche los. Gedanken schossen Gudrun durch den Kopf: „Wo ich schlafe, was ich esse war noch nicht wichtig... wo ist mein Infomaterial ... hat jemand alte VFD Bilder für mich, prägte den späten Frühling.“ Anfang Sommer setzte dann das Reisefieber bei Gudrun ein.

Wir hatten bei einer Vorstandssitzung beschlossen, als Deko Fischernetze an die Wände zu hängen und darein wie Strandgut Fotos, Karten, Infomaterialien und anderes zu hängen. Ein Fischer vom Dobersdorfer See schenkte Renate eine alte Aalreuse, die ideale „Falle“ für Ausstellungsstücke, die nicht geklaut werden sollen. Zum Glück war die Dekoration schnell fertig durchdacht und auch Gudruns Kostüm tauchte in Oma`s Kleiderschrank auf. So konnte Gudrun mit Netzen, Aalreuse und Fischerhemd schon mal sichtbar machen, dass wir hoch im Norden viel Meer und lange Küsten haben.

Einen unerwarteten Nebeneffekt hatte das Festival: Gudrun lernte viel über die Bezirke und ihre Regionen. Ideen zu Wanderritten und Ausflügen kamen ihr in Hülle und Fülle. Bilder von Mooren, Heidelandschaften, Wäldern und Seenplatten als Deko für die Netze schwebten ihr vor. Schleswig-Holstein und Hamburg haben viel zu bieten. So eingelullt in gute Gedanken spürte Gudrun das Lampenfieber kaum. Doch da war noch etwas, was bedacht werden musste, oder? Wir brauchen Bilder! Hervorragende Fotos kamen nicht nur aus dem Raum Lübeck ins Haus, Texte entstanden. Der Austausch mit anderen Landesverbänden schürte die Vorfreude.

„Und wo schläfst Du?“ „Ich? Schlaf? Mist...“ Siedend heiß fiel Gudrun ein: Die Bundesgeschäftsstelle hatte da eine Anmeldefrist. Da Renate als ehrenamtliche Referentin beim Festival in Reken aktiv war, war ihre Unterbringung in einem Gemeinschaftsschlafraum im Hotel vor Ort geregelt. Also griff Gudrun zum Telefonhörer: Christiane anrufen... schnell... nur irgendeinen Platz zum Schlafen und was zu Essen... das Billigste reicht. So kam es, dass Gudrun zum Gemeinschaftszelt-Schläfer wurde. Mit dem lockeren Satz von Gudruns Mann "...der Hund muss bei Dir mit..." setzte dann Schüttelfrost bei Gudrun ein. Mit Pferd und Hund Werbung machen und dann dieser unfrisierte, wollige Pudelköter, der nicht hört, mit auf dem Infostand. So züchtet man graue Haare! Gudruns Wohnung war vollgestellt mit Kisten von Flyern, Deko, Messestühlen, Stellwänden und, und, und. Es wurde Zeit, dass wir nach Reken fuhren.

Endlich ging es am Donnerstag los. Renate saß an dem Morgen stundenlang in Kiel vor dem Waldwiesenkreisel wegen eines schweren Verkehrsunfalls fest. Nach gefühlten Ewigkeiten waren wir dann endlich in Gudruns altem Pritschenwagen auf der Autobahn Richtung Reken. Bei gutem Wetter haben wir am Naturpark Hohe Mark das FS Reitzentrum Reken erreicht. Renate war in den 90ern fast jährlich in Reken gewesen und konnte noch dies und das auf der Suche nach dem Zielort wieder erkennen. Was immer Gudrun sich vorgestellt oder im Internet an Bildern schon gesehen hatte: Das FS-Zentrum war in Natura anders. Gleich am Eingang erwartete uns Klönschnack, Lachen und wir gingen in Ferienstimmung über die Anlage.

Überall tummelten sich Pferde, Hunde und entspannte Leute. Bis wir am Landesverbandszelt waren, hatten wir schon fast alle "News" erfahren. Das Einräumen des Zeltes zog sich hin. Hier ein Gespräch, da eine Information weitergeben oder annehmen. Das VFD-Dorf zeigte die Vielfalt und die Besonderheiten der einzelnen Landesverbände. Beeindruckend war die Ankunft der Stafettenreiter und -fahrer. So verloren sich bei Gudrun aller Reisestress und die Aufgeregtheiten. Unser Zelt haben wir mit Mecklenburg-Vorpommern geteilt. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich im Laufe der Zeit herausstellte.

Kaffee und Kuchen luden zu einer kleinen "VFD-Dorf-" Pause ein. Und auch hier wurden wir umspült von klassischen VFD-Themen. Welcher Hufschutz? GPS oder Karte? Welche Verpflegung für Mensch und Pferd? Pfiffige Ideen wurden ausgetauscht, und natürlich abenteuerliche Geschichten über das, was einem so alles passieren kann, wenn man mit Pferden unterwegs ist. Die Wanderfahrer waren besondere Packkünstler. Das Outfit manches Wanderreiters zeigte: man kann nicht alles via Medien erklären, das muss man life erlebt haben.

Auf dem großen Zeltplatz stand ein riesiges Gemeinschaftszelt. Andere nutzen so etwas als Reithalle. Gudruns Gedanken: „Wo pack ich meinen Kram bloß hin? Nur schnell, damit ich zum Dorf zurück kann!“ Der erste Abend floss dahin und mit der Dunkelheit stellte sich Gudrun die Frage: „Finde ich im Dustern mein Bett?“ Mit Schlafzeug, Kulturtasche und Hund an der Leine wollte Gudrun die Zeltplane ein Stück zur Seite schieben, um an ihr Nachtlager zu kommen. Da schoss ein Hund aus dem Dunkel auf sie zu... und ihr Pudel, um eine Rauferei nie verlegen, gleich mit eingestimmt in Knurren Bellen und Tohuwabohu. Gudrun weiß nicht mehr, was sie gebrüllt hat. Es stand aber bestimmt auf der Liste "So was sagt man nicht". Sie konnte nicht sagen, wer den Kulturbeutel und wer ihre Schlafanzughose um die Ohren gefegt bekommen hat. Im Stockdunkeln waren jedenfalls beide Hunde still und auseinander. Dieser Frieden nicht nur unter den Hunden hielt übrigens die ganze "Rekener Zeit". Gudrun war von den Ereignissen so müde, dass sie nicht mehr mit bekam, wie Renate im Zelt nach ihr suchte, um zu fragen, ob sie das letzte freie Hotelbett im Gemeinschaftszimmer haben wolle. Da der Hund nicht ins Hotel gedurft hätte, schied diese Möglichkeit für Gudrun ohnehin aus.

Den Freitag und Samstag haben Gudrun und Heyko Deppe das nordische Landeszelt weitgehend alleine gehalten, während Renate über Gras und Grünland Interessantes berichtet hat. Die Vorstellung der einzelnen Landesverbände war für Gudrun ein kleines Highlight: Die Baden-Württemberger waren mit sechs Schwarzwälder Fahrpferden mitsamt Fohlen angerückt. Das Zweiergespann mit Fohlen boten sie uns an, so dass Gudrun in ihrem Hamburger Kostüm Fahnen haltend in einer Kutsche einfahren konnte. Wer es nicht wusste, konnte die Pferde glatt für Schleswiger Kaltblutpferde halten, also fast stilecht… Die Qualität dieser Fahrpferde bekamen wir später vorgeführt, als der Besitzer der sechs Pferde alle zusammen im Sechserzug auf Zuruf engste Wendungen ausführen ließ. Jedes Pferdepaar war über Stimme durch den Gespannführer einzeln anrufbar und steuerbar. Dieser extrem lange Zug konnte dadurch tatsächlich auf einer engen Landstraße ohne Ausweichmöglichkeiten auf der Stelle umdrehen!

Das Programm in Reken war bunt und beeindruckend. Abends setzte es sich in Form von hervorragend bebilderten Vorträgen über die Weltumreitung (Manfred Schulze) und die Europakutsche (Christine und Jürgen Reimer) sowie Musik für die Aktiven im Festzelt fort. Nicht nur die VFD hatte Geburtstag. Auch Ursula Bruns feierte in Reken mit uns Geburtstag. Ein kleines Geburtstagsgeschenk hatte Renate für eine alte Freundin eingepackt: Auch Wiebke Schuppius, geb. Weiß, früher aktiv im BzV Kiel, war in Reken und feierte ganz unauffällig mit uns ihren Geburtstag.

Am Sonntag war noch einmal buntes Programm in den Ringen, dann hieß es abbauen und durchstarten Richtung Norden. Ein paar wunderschöne, gelungene Tage lagen hinter uns, für die wir uns besonders bei Christiane Ferderer und David Wewetzer bedanken möchten, die die gesamte Planung ehrenamtlich geleistet haben.

Von: Gudrun Neuhaus (2. Vors.) und Renate Vanselow (1. Vors.)

 

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