Reiten im Wolfsgebiet – was bedeutet das für Pferde und RittführerInnen?
Eine VFD‑Fortbildung in Kirchlinteln gibt praxisnahe Antworten.
Rund 30 Ritt-, Fahrten- und SaumwanderführerInnen der VFD Niedersachsen und Bremen trafen sich im Februar 2026 in der Nähe der Reiterstadt Verden zu einer praxisorientierten Fortbildung zum Thema „Umgang mit dem Wolf“. In einer Region, die gleichzeitig zu den Wolfs-Hotspots Niedersachsens gehört, standen vor allem Sicherheit, Tierwohl, Verhalten und rechtliche Fragen im Mittelpunkt.
Viele unserer Mitglieder berichteten aus Sorge vor Wolfsübergriffen von eingeschränkten Weidezeiten und veränderten Haltungsbedingungen. Mutterstuten mit Fohlen, die nur noch stundenweise auf hofnahen Flächen kommen, Rentnerpferde die täglich mit dem Anhänger zu stundenweisem Weidegang in der Feldmark gebracht werden. Viele unserer Aktiven haben mit Überwachungskameras auf ihren Anlagen aufgerüstet. Wolfsgebiete werden gemieden.
Für die VFD-RittführerInnen entstehen dadurch zusätzliche Herausforderungen: Wie bereitet man Pferde und Gruppen auf mögliche Begegnungen vor? Wie schützt man Reitbegleithunde? Und was bedeutet das rechtlich, wenn während der Tour aufgrund einer Wolfsbegegnung jemand zu Schaden kommt?
Wolfsberater Helmut Meyer vermittelte fundiertes Wissen zu Verhalten, Monitoring und Rechtslage. In Workshops wurden konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt – von Routenplanung und Risikoeinschätzung bis zu Strategien für kritische Situationen, auch bei Mehrtagestouren.
Deutlich wurde auch, wie ernst die Lage inzwischen von verschiedensten Berufsgruppen eingeschätzt wird. Die VFD ist eine starke Gemeinschaft – und gerade deshalb sind die Perspektiven der VFD Mitglieder, die als TierärztInnen, NutztierhalterInnen, ZüchterInnen und JägerInnen eine Bereicherung für einen solchen Workshop.
Ihre Berichte machten klar, dass die Rückkehr des Wolfs längst kein theoretisches Naturschutzthema mehr ist, sondern zu realen Einschränkungen, Konflikten und Risiken führt: von verletzten Weidetieren über deutlich verkürzte Weidezeiten bis hin zu Unsicherheiten für geführte Reitgruppen. Auch das mögliche Risiko für mitgeführte Hunde – selbst gut ausgebildete VFD‑Reitbegleithunde – wurde diskutiert, da sie von Wölfen als Konkurrenz wahrgenommen werden können.
Umso wichtiger ist es, dass die VFD die Breite ihrer praktischen Erfahrung einbringt, Missstände klar benennt und auf Lösungen drängt, die Tierwohl und Sicherheit gleichermaßen berücksichtigen.
Die Veranstaltung zeigte: Reiten im Wolfsgebiet ist anspruchsvoller geworden. Doch mit realistischem Blick, guter Vorbereitung und fachlich fundierten Handlungsweisen können RittführerInnen verantwortungsvoll und sicher agieren – für ihre Gruppen ebenso wie für ihre Pferde.![]()