Das Land Hessen hat die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen ausgeweitet.
So können künftig Halterinnen und Halter von Rindern, Pferden und Eseln landesweit Fördermittel für Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor dem Wolf beantragen. Damit entfällt die bisherige Beschränkung auf sogenannte "Ereignisgebiete" und der Herdenschutz soll präventiv gestärkt werden.
Aus Sicht der VFD ist die landesweite Öffnung der Förderung grundsätzlich ein richtiger und notwendiger Schritt. Eine erfolgreiche Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung kann nur gelingen, wenn Präventionsmaßnahmen flächendeckend und bedarfsgerecht unterstützt werden. Faire Förderbedingungen für alle Weidetierhaltenden sind daher eine zentrale Voraussetzung, um die Akzeptanz des Wolfs dauerhaft zu stärken.
Förderung für Pferde bleibt weiterhin eingeschränkt
Für Pferdehaltende bringt die Neuregelung jedoch weiterhin erhebliche Einschränkungen mit sich. Die Förderung gilt nicht für alle Pferde, sondern beschränkt sich nach wie vor auf Fohlen(weiden) bis zu einem Alter von einem Jahr sowie kleinere Equiden, also Ponys mit einem Stockmaß von bis zu 1,12 Metern. Weiden mit ausschließlich Großpferden sind nach der derzeitigen Förderrichtlinie weiterhin nicht förderfähig.
Die Besonderheiten der Pferdehaltung berücksichtigen
Die Pferdehaltung in Hessen und Deutschland ist überwiegend kleinstrukturiert. Viele Pferde werden in kleinen bis mittleren Gruppen gehalten. Großflächige Herdenhaltungen mit den für wildlebende Pferde beschriebenen Mechanismen gemeinsamer Wachsamkeit und Gruppenverteidigung stellen dagegen die Ausnahme dar.
Aus Sicht der VFD berücksichtigt die derzeitige Regelung diese Haltungsstrukturen noch nicht ausreichend. Viele Pferdehaltende verfügen deshalb trotz eines bestehenden Wolfsrisikos weiterhin über keine Fördermöglichkeit für geeignete Herdenschutzmaßnahmen.
VFD sucht den Dialog
Die VFD wird deshalb den fachlichen Austausch mit den zuständigen Stellen suchen und ihre Expertise zur Pferdehaltung in den weiteren Prozess einbringen. Ziel ist es, die Besonderheiten der überwiegend kleinstrukturierten Pferdehaltung bei einer zukünftigen Weiterentwicklung der Förderrichtlinie stärker zu berücksichtigen und die Förderung von Herdenschutzmaßnahmen auch für Großpferde zu ermöglichen.
Der Schutz unserer Pferde muss ein wesentlicher Bestandteil eines wirksamen Herdenschutzes sein. Gleichzeitig ist eine faire und praxistaugliche Förderung aller Weidetierhaltenden eine wichtige Voraussetzung, um die Akzeptanz des Wolfs langfristig zu stärken. Dazu gehört auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse Maßnahmen zu ergreifen, die der Natur der Wölfe und ihrem Verhalten gerecht werden und nicht zu nachteiligen Reaktionen führen, die die Weidetiere noch mehr gefährden. Die VFD setzt sich deshalb für Lösungen ein, die sowohl den Schutz der Pferde verbessern als auch eine nachhaltige Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung ermöglichen.
Über die weiteren Entwicklungen und den Austausch mit den zuständigen Stellen werden wir unsere Mitglieder selbstverständlich informieren.