Am 15.05.2019 lud der Bielefelder Stammtisch Dr. med. Vet. Richterich zu einem Gastvortrag ein. Die Teilnehmerin Sandra Rehkemper hat freundlicherweise einen Bericht verfasst. :-) 

16 Teilnehmerinnen lauschten gebannt dem Vortrag von Dr. med. Vet. Richterich, Leiter der Tierklinik Gut Boyenstein in Beckum.

Herr Richterich hat zunächst Fakten über die verschiedenen Wurmarten und deren Lebenszyklen vermittelt, sowie über die verschiedenen Entwurmungsmittel aufgeklärt, bevor er anhand von Fallbeispielen den Krankheitsverlauf einiger Pferde, zum Teil mit Bildern, erörtert hat.

Es wurde anschaulich erklärt, wie man dem Problem der Resistenzbildungen entgegenwirken kann, und warum das übliche Procedere 4 x im Jahr alle Pferde gleichzeitig zu entwurmen nicht (mehr) funktionieren kann!
So kam das Thema auf die „Selektive Entwurmung“ nach dem McMaster-Verfahren -  was bedeutet das?

Die McMaster-Technik ist eine weltweit anerkannte und verwendete Technik, bei der die Eier im Kot gezählt werden.
Es wird eine definierte Menge Kot in einer abgestimmten Menge Flüssigkeit aufgelöst.
Ein Teil dieser Lösung wird zur Analyse in eine McMasterkammer eingebracht.
Unter dem Mikroskop ist es nunmehr möglich, die in der Flüssigkeit befindlichen Eier zu zählen.
Das Ergebnis wird in EPG (Eier pro Gramm) erfasst. Durch diese allgemein gültige Norm ist eine sehr gute Einschätzung, wie hoch die Ausscheidung bei Ihrem Pferd ist, möglich.
Eine Entwurmung macht nur nach einer positiven Kotprobe Sinn, worauf immer eine Vergleichsprobe (etwa 3 Wochen nach Entwurmung) gemacht werden soll.
Nur so lässt sich feststellen, ob es bereits Resistenzen im Bestand gibt. Bei größeren Haltungsformen sollte der Stallbetreiber auch immer nur die schlechtesten 50 % der Pferde im Bestand entwurmen und dann nach 4 Wochen, die nächsten schlechtesten 50 % der 2. Gruppe.

Der Spruch: „Gut gemeint ist nicht gut gemacht!“, trifft hier sehr gut zu.

Welche Tiere sind für die selektiven Entwurmung nicht geeignet und sollten somit immer entwurmt werden?
Die YOPIs-Gruppe: junge Pferde (unter 6), alte Pferde (über 16), immunsuppressive Tiere (EMS, Cushing, Rehe, Ekzemer) und trächtige (schwangere) Stuten.
Kotproben VOR und NACH Entwurmung sind bei ALLEN Entwurmungsmethoden wichtig!
Die allseits bekannte „Nikolauswurmkur“ sollte mittlerweile eher Anfang Januar (hl. 3 Könige) verabreicht werden, da sich unser Klima ja auch verschoben hat.

Interessant wurde es bei der Frage: „Wer von Ihnen hat sich denn schon mal selbst entwurmt?“
Es folgte ein lockerer Austausch mit allen Teilnehmern…

Es wurden zusätzliche Methoden zur Reduktion des Wurmdrucks erläutert:
-  Weidewiesen sollten wechselnd auch alle paar Jahre geheut werden
-  gründliche Weidepflege durch Absammeln der Pferdeäppel und Kalken (Veränderung des pH-Wertes)
-  sowie Wechselbeweidung mit Schafen oder Rindern (Wiederkäuer)
-  Welche Kräuter können unterstützend gegeben werden?

Woran erkenne ich ein verwurmtes Pferd? Hinweise für den Pferdehalter, welche Symptome sie im Auge behalten müssen.
Nach Ende des Vortrags gab es eine offene Diskussionsrunde, in der alle Fragen individuell beantwortet wurden: Pro & Contra der selektiven Entwurmung,
Wo macht es Sinn, wer kann dies einsetzten? Die Zeit verging wie im Flug.

Mein Fazit: Mir als Stallbetreiber hat dieser Vortrag sehr gut gefallen, nochmal weitere Tipps und Anregungen gegeben. Aufklärung der Hintergründe zur „Entwicklung der selektiven Entwurmung “ und ihrer Einsatzgebiete gegeben. Ich fühle mich bestärkt, in dem was ich schon seit 6 Jahren praktiziere, und werde dies auch weiterhin so machen.  Kann allerdings auch nachvollziehen, dass dies „fast nur“ in kleinen Privatställen Sinn macht, oder in sehr gut organisierten Pensions- und Zuchtbetrieben.

Auch das Feedback der anderen Teilnehmerinnen war durchweg positiv.

 

 

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