Manchmal braucht es nur einen Abend, um Menschen kennenzulernen, die das gleiche Hobby, die gleichen Träume und manchmal sogar die gleichen Unsicherheiten teilen. Genau das macht die VFD aus: Sie ist weit mehr als ein Verein für Wanderreiter – sie ist eine Plattform, auf der aus zufälligen Begegnungen echte Reitfreundschaften entstehen. Wer den Mut hat, einfach mal zu einer Veranstaltung zu fahren, obwohl er niemanden kennt, wird oft mit offenen Gesprächen, wertvollen Erfahrungen und gemeinsamen Abenteuern belohnt. So beginnt auch meine Geschichte – mit einer Jahreshauptversammlung, einer neuen Bekanntschaft und der Idee, den ersten eigenen Wanderritt nicht allein, sondern gemeinsam zu erleben.
Ich trete durch die Tür auf den Paddock, die Packtaschen über der Schulter. Die Tür quietscht, wie immer, da kümmere ich mich später drum. Ich muss schmunzeln. Ja, ja. Wie immer.![]()
Ich bin aufgeregt, wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Ich sammle mein Pony vor der Weidehütte ein und fange an zu putzen. Währenddessen gehe ich alle Tätigkeiten nochmal durch, die ich die nächsten Tage geplant habe, habe ich auch wirklich an alles gedacht? Während der gewohnten Handgriffe werde ich ruhiger und als ich die Bananenpacktasche als i-Tüpfelchen oben auf schnallen will, fängt mein Pony das Hampeln an und lässt mich wissen: Die ist aber neu! Ich muss wieder schmunzeln. Jetzt ist alles wieder wie es sich gehört: Ich weiß was gemacht wird und mein Pony stellt die Fragen!
Überpünktlich sind wir auf der Strecke. Zur Hälfte kenne ich sie ziemlich genau, weiß wo wir die erste Rast einlegen und den Blick über den Eisenberg Richtung Frankenberg genießen können. Die ersten Kriebelmücken sind schon da, an die Fliegenmütze hab ich gedacht. Das Pony stoppt an der Kreuzung, an der wir heute eine neue Richtung wählen und fragt mal an, ob ich mir da wirklich sicher bin, folgt mir aber brav.
Die erste Herausforderung, die ich nicht auf dem Schirm habe, ist die Schule, aus der natürlich genau jetzt alle Schüler strömen. Mit Musikinstrumenten auf dem Rücken, die Mofas und Roller werden getestet, Gelenkbusse zischen an uns vorbei. Und was passiert? Die Jungs stellen ihre Motoren ab, als ich näher komme und das Pony folgt mir ohne zu zucken. Ich fühle, wie mir das Herz aufgeht. Ich bin froh.
Die nächste Herausforderung ist der ASP-Zaun, dessen ca. einen Meter breites Tor direkt vor einem Graben mit Betonrohr liegt, direkt dahinter die Bundesstraße. Wer hat sich das denn ausgedacht, denke ich, während mir klar wird, dass ich vermutlich die Erste bin, die es benutzt. Glücklicherweise kommt genau jetzt kein Vierzigtonner und wir kommen sicher auf der anderen Seite an. Weiter geht es durch die wunderbare Landschaft, die ich meine Heimat nennen darf, vorbei an Laisa, Berghofen und Wollmar, am Horizont die Windräder. Dort liegt unser Ziel für heute.![]()
Genau so habe ich es mir vorgestellt: Mein Pony und ich auf unserem ersten Wanderritt und wir sind voll in unserer Komfortzone, die Strecke so lang wie unsere Trainingsrunden und das Ziel kenne ich schon. Ich wandere zur Barbara. Wir haben uns bei der VFD-Jahreshauptversammlung des Bezirksverbands Hessen Nordwest kennengelernt und sofort festgestellt: Wir haben uns gesucht und gefunden. Ich hatte meinen ersten Wanderritt noch vor mir und suchte jemanden, der in Tagesetappenreichweite liegt und der Verständnis für meine ganzen Bedenken hat. Jemand, der mir einfach ein gutes Gefühl gibt und wo ich weiß, wenn alles daneben geht, bin ich nicht allein und es ist kein Drama. Sie wiederum suchte auch Gleichgesinnte. Leute, die nicht gleich Sorge haben, wenn sie den Stall für länger als eine Stunde verlassen müssen. Außerdem haben unsere beiden Stuten eine ähnliche Abneigung gegenüber Übernachtungen in fremder Umgebung. Also: Perfekt!
Mein Garmin bimmelt und sagt ich soll rechts abbiegen. Klar, denke ich, ab ins Gebüsch, Garmin-Adventure-Tours. An einer nicht verzeichneten T-Kreuzung entscheide ich kurz nach Kompass und komme tatsächlich dort heraus, wo ich dachte. Da hat sich das Üben doch gelohnt. Voller Stolz komme ich schließlich bei der wild romantischen Mühle in Ernsthausen an. Mein Pony nimmt den Sand auf dem Platz dankbar sofort zum Wälzen an und fühlt sich überhaupt nicht allein in seiner Paddockbox neben den Schafen mit Blick auf Barbaras Pferde. Ich bin beruhigt. Es frisst und trinkt und steht ganz ruhig da, als gäbe es einfach kein Problem.
Ein paar leckere Waffeln, lange Gespräche mit Pferdegeschichten und Erfahrungen und abendliche Flammkuchen mit Cocktails und einfach eine tolle Ponyladies-Zeit später liege ich gemütlich im Bett und stelle fest, was für ein Glück ich habe!
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Am nächsten Morgen ziehen wir gemeinsam los, wir wollen nun wieder zu mir. Die Sorge, mein Pony könnte zu langsam sein für einen Wanderritt, wird ersetzt durch die, dass wir unterwegs vielleicht anhalten müssen. Nicht nur ich kenne jetzt den Weg - mein Pony auch! Und es will unbedingt heim! Dementsprechend herausfordernd ist es, auf die gute Kinderstube zu achten und nach sechs Stunden Heimweg bin ich wirklich erschöpft! Zum Glück haben wir vorher einen Tisch im Steakhouse reserviert und können die Akkus wieder aufladen.
Leider hat sich Barbaras Pferd unterwegs eine Verletzung in der Gurtlage zugezogen, so dass sie nicht wieder heimreiten kann. Wir nutzen den nächsten Morgen für ein entspanntes Frühstück und einen kleinen Ponyspaziergang. Während wir mit dem Hänger wieder nach Ernsthausen fahren, denke ich daran, wieviel es mir gebracht hat, einfach mal allein zu einer VFD-Versammlung zu fahren, wo ich keinen kenne. Schon die Erfahrung dort direkt integriert zu werden war schön, und dass da wirklich mein erster Wanderritt draus wird, hätte ich nicht erwartet. Okay, ich muss auch die Vereinskasse prüfen. Aber irgendwas ist ja immer ;o)
© Sabrina Wagner